Die Söhne hatten mich nicht genommen

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„Ich vermisse Annette“: Musiker Adel Tawil im Interview

Es ist schon kurios, mit jemandem, der seit Jahren aus den Charts nicht mehr wegzudenken ist, über sein Debütalbum zu sprechen. Wie fühlt sich das für Sie an? 

Adel Tawil: Das ist in der Tat kurios, allerdings war mein erstes Soloalbum schon seit vielen Jahren ein Thema, schon bevor ich 2003 Annette Humpe kennengelernt habe. Ich habe dann schnell gemerkt, dass ich keine eigene CD brauche, nur um mein Ego zu streicheln. Mit Annette hatte ich einen Lauf, den ich einfach nicht mehr stören wollte.

Dennoch scheint sich etwas geändert zu haben.

Tawil: Ja, nach drei Alben mit Ich + Ich hatten wir das Gefühl, dass wir ein wenig Abstand brauchen, nicht voneinander, aber von der Musik. Die Zeit war einfach reif. Das heißt nicht, dass ich mit Annette nicht mehr zusammenarbeiten will.

Was heute viele nicht mehr wissen ist, dass Sie Ihre Karriere in der Boygroup The Boyz gestartet haben. Wäre nach deren Aus nicht eigentlich das erste Soloalbum angesagt gewesen?

Tawil: Ich war mir nicht sicher, ob die Menschen mich nach meiner Boygroup-Zeit ernst nehmen würden, das Selbstbewusstsein war einfach nicht da.

Also war die Begegnung mit Annette Humpe eine glückliche Fügung?

Tawil: Auf jeden Fall. Wäre ich ohne Ich + Ich gekommen, dann können Sie sich sicher sein, ich wäre weiterhin der Junge von The Boyz geblieben. So hat sich Annette vor mich gestellt und die Presse hatte ihre Geschichte, musste nicht mehr auf der Boygroup-Nummer rumreiten. Ich habe Annette viel zu verdanken, ohne sie hätte ich keine eigene Musik mehr gemacht.

Was ist nun anders?

Tawil: Es fühlt sich komplett anders an. Allein zu sein, hat seine Vor- und Nachteile. Klar ist man stolz auf sein erstes eigenes Album, jeder kennt einen, man bekommt den Echo. Aber manchmal ist mir das alles auch zu viel, auf der Promotour habe ich Annette schon sehr vermisst, weil sich plötzlich alles auf meine Person konzentriert hat.

Klingt ein wenig nach Sehnsucht. Wird es bald wieder ein Ich + Ich-Album geben?

Tawil: Ich habe gerade vor einer Stunde mit ihr telefoniert. Wir arbeiten auf jeden Fall weiter zusammen an Songs. Die Frage ist nur, wie es am Ende heißen wird. Es muss sich vor allem richtig anfühlen, das war bis jetzt nicht so. Es kann aber durchaus sein, dass wir nach drei, vier Songs plötzlich feststellen, dass es wieder nach Ich + Ich klingt – und dann wird es uns als Duo sicher auch wieder geben.

Allein gelassen hat Sie Annette auf „Lieder“ nicht, für „Grafitti Love“ hat sie sogar ihre Schwester Inga mit ins Studio gebracht. Ein Stück deutsche Musikgeschichte nach langer Zeit wieder vereint – eine Ehre? 

Tawil: Oh ja. Annette hat das Lied sofort gefallen und wollte den Chor machen. Es ist ja eine kleine Hommage an die Achtziger und da passte Humpe und Humpe einfach perfekt. Das ist ein toller Moment auf dem Album.

Nach den Auftritten in den großen Arenen spielen Sie nun im Wolfhager Kulturzelt. Mögen Sie die kleineren Shows? 

Tawil: Oh ja, vor allem im Sommer, das ist eine ganz andere Atmosphäre. Die Arenen waren eine super Erfahrung, aber auf den Festivals ist alles immer ein wenig entspannter.

(Quelle:hna.de/Sascha Hoffmann)

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Bei Adel Tawil winkt sich das Publikum ins Paradies

Adel-Tawil-Performs-In-Berlin

Besten Schlager-Pop bot Adel Tawil in der O2 World seinem Publikum. Es herrschte perfekte Stimmung bei den neuen Stücken, die deutlich härter sind, als die von Ich+Ich. Um 21.15 Uhr gehen die Lichter in der O2 World aus, der Spot liegt auf einer Frau am Flügel, man hört nur Adel Tawils Stimme, „ich folge dir in die Dunkelheit“ singt er, dann fallen die schwarzen Bühnenvorhänge, der Bass wird lauter, Tawil steht im Lichtkegel – den Arm ausgestreckt – Kunstpause: Führ uns ins Licht!

Adel Tawil ist endgültig solo unterwegs. Für ihn und die Fans macht das eigentlich keinen Unterschied, schließlich war Annette Humpe, seine Partnerin bei Ich & Ich, nicht gerade eine Rampensau. Tawil ist es gewohnt, mehr oder weniger alleine im Rampenlicht zu stehen. So routiniert er auch ist, selbst Tawil hatte sich gewundert, als er beim Echo als „nationaler Newcomer“ gewann, sei es drum. Es sind in etwa so viele Leute gekommen wie zu Andrea Berg, dem Bad Girl des Schlagers, weil sie ab und an Jungs auf den Mond schießen will. Bislang verstand man Adel Twail eher als den einfühlsamen Pop-Saubermann – er trägt keine kurzen Glitzerfummel und oben ohne ist er, wenn überhaupt, zuletzt Mitte der 90er während seiner Boygroupzeit aufgetreten. Berg verkauft die O2-Wold zwar zweimal aus, bei Tawil gibt es dafür gleich drei verschieden bedruckte Plastik-Tour-Becher. 😉

Adel Tawil ist jetzt auch ein Bad Boy

Teilweise ist Adel Tawil jetzt auch ein Bad Boy, manche der neuen Stücke sind härter als das was die Fans von Ich + Ich gewohnt waren. Sprechgesang zu „Herzschrittmacher“, es dröhnt, die Sitze vibrieren. „Weinen“ ist wieder ein Stück vom alten Kaliber, Romantik statt brennende Mülltonnen. „Willst du unbedingt nen Mann vor dir Weinen sehn?“ fragt Tawil. Nun, für die Mädchen hier müsste er nicht. Tawil soll nicht weinen, er müsste nicht gehen, nicht mal wenn er manchmal ausbricht aus dem sentimentalen Deutschpop.

Auf zwei Leinwänden kann man Tawil von Nahem sehen, er trägt einen Zipper mit rot blauem Muster, im richtigen Licht leuchten seine Sneakers im Dunkeln. Im Hintergrund füllt sich eine Pyramide mit Wasser, verwächst sich zum Baum und wird zum fluoreszierenden Dreieck. Der Song, den die Humpe Schwestern für Tawil geschrieben haben, heißt „Graffitti Love“ und passt zu den ominösen Hipster-Dreiecken. Rockgitarre, Berlin, Mauer, Hinterhöfe – soweit so gut. Dann Synthiegefrickel, ein DJ pitcht, einige sind vom elektronischen Finale überfordert: „Interessante Musik….“ hört man es aus dem Publikum raunen.

Dann der Hit. „Lieder“ – ein Stück, in das Liedzitate wie dieses: „Kurt Cobain sagte mir, ich soll kommen wie ich bin“, verarbeitet wurden. Wenig mysteriös, und doch existieren Internetseiten, auf denen diese Zitate „entschlüsselt“ werden. Es gibt einen ähnlichen Song von Weezer, „Heart Songs“, in dem schwärmt River Coumos ebenfalls von der Nirvana Platte. Ob dem Publikum hier alle beliehenen Songs geläufig sind? „Nevermind“, das Album haben wahrscheinlich nicht alle, die hier sind, im CD-Regal stehen, brauchen sie auch nicht, denn der Text zu „Lieder“ sitzt, einig steht, singt und klatscht die Halle. Die Handy-Taschenlampen leuchten auf, es schreit nach Feuerzeugen, aber die sind nur noch draußen auf der Raucherbalustrade erlaubt. Für das WM-Hymnen-Stadiongefühl sorgt Matisyahu, ein Reggae-Rapper aus Detroit, er ist extra eingeflogen, erzählt Tawil. Zusammen singen sie gegen Krieg und Waffen, die O2 World winkt sich ins Paradies. Vom Krieg zum Herzschmerz, aus „Paradies“ wird „No Woman No Cry“, Bob Marley, jetzt wird getanzt, die mit Tawils Portrait bedruckten Becher schwingen durch die Luft.

Als Zugabe kommt „Ascheflug“ – den Song singt er mit Sido und Prinz Pi. Die beiden sind nicht da, dafür läuft das Video zum Song auf der Pyramide. Im Text geht es um Drogen und wie die einem das Leben ruinieren können. Wenn Tawil den Refrain singt, „Du bist auf einem Ascheflug, hinter dir brennt alles nieder“, stieben Flammen über das LED-Dreieck. Ja, es gibt Applaus aber noch lieber hört man hier dem gefühlvollen Tawil zu, wenn es um Weinen und Lieben und die großen Emotionen geht. Wie heißt es doch beim Schlager: Herzschmerz hin und her, eigentlich ist doch alles gut. Oder wie Anette Humpe es formuliert: „So soll es sein, so kann es bleiben“. Das ist die Zugabe, sie wird bejubelt. Das Schlager-Pop-Prinzip funktioniert.

(Quelle : Berliner Morgenpost)

Als Stimme von „Ich und Ich“ schaffte er den Durchbruch, nun ist der sanfte Sänger solo unterwegs

Warme Stimme, sanfte Songs: Adel Tawil ist als Sänger ein Herzschmeichler. Das hat er bei „Ich und Ich“ gezeigt, solo aber fehlt ihm das Gespür, schlagerhafte Floskeln zu veredeln.

An der Rampe war er ja schon immer allein. Hinter ihm die Band. Das zweite Ego von „Ich und Ich“ blieb unsichtbar. Annette Humpe („Ideal“) schrieb und produzierte, Adel Tawil (35) verlieh ihrem Emo-Pop über sieben Jahre und drei Alben Stimme und Gestalt. Auf den ersten Blick sollte sich gar nicht so viel geändert haben, wenn Adel Tawil auf Tour ist – in München ging es los. Die Musiker kennt er noch von „Ich und Ich“, einige Hits von damals will er jetzt auch wieder singen und seine neuen „Lieder“, wie sein Album schön schlicht heißt.

Statt „Ich und Ich“ jetzt also „Mir und mich“? Viel größer scheint der Unterschied zunächst nicht zu sein, doch hört man ins Debüt-Doppelalbum (Vertigo/Capitol) rein, dann ist klar, wie sehr das eine Ich fehlt: Annette Humpe (63) hat eben ein erstaunliches Gespür dafür, wie man Popsongs derart emotionalisiert, dass Floskeln schillern, Sentiment pompös wird, der Kitsch tanzt. Es ist eine Gratwanderung, die bei Hits wie „So soll es bleiben“, „Pflaster“ und „Vom selben Stern“ erstaunlich gut gelungen ist. Ein Balance-Akt über der Tiefebene von Schlagerland. Mit seiner Soloscheibe aber durchmisst Adel Tawil genau dieses Ödland.

Flach ist der Popsound, fade die Befindlichkeitslyrik, mit der dieser Sänger mit ägyptisch-tunesischen Wurzeln mal den Tröster gibt, mal die Frauen als Göttin und Erlöserin feiert. Wo Humpe Pop-Phrasen veredelt, drischt Tawil sie eher einfallslos: Ich halt Dich fest, ich sinke, es regnet ins Herz, Du bist ein einsamer Stern – undsoweiterundsofort. Sido und Prinz Pi mischen auch mit („Aschenflug“), machen einen auf „Digga“ und „Kumpel“, Rapper Matisyahu steigt auf Englisch ein. Drei Tracks sind vorzeigbar, darunter „Auf Sand gebaut“ und „Graffiti Love“, die Beichte eines verliebten Wandmalers, bei dem just die Schwestern Inga und Annette Humpe mitsingen. Mit „Sie und sie“ klingt „Mir und mich“ gleich viel besser. Und so ist auch der Titel-Track des Solo-Albums vor allem eine Erinnerung daran, was fehlt: Im Hit „Lieder“ entwickelt Adel Tawil seine musikalische Sozialisation von den Songs der Jugend über seine Boyband-Jahre mit „Boyz“ und das Projekt mit Annette Humpe anhand von emblematischen Liedzeilen.

Und da ist sie wieder: Diese Gabe, Refrains ins Hymnische zu heben. Mit „Ich und Ich“ war schöner Schmachten angesagt. Bei „Ich ohne Sie“ will es zumindest auf Platte kaum gelingen, den Kitsch zur Kunst zu erheben.

(Quelle:echo-online.de)

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Adel Tawil kommt mit seinem Solo-Album „Lieder“ am 9. April nach Saarbrücken

„Ohne Druck von Ich + Ich“

Mit Annette Humpe und dem Duo „Ich + Ich“ feierte Adel Tawil große Erfolge. Kürzlich hat der Berliner mit ägyptisch-tunesischen Wurzeln mit „Lieder“ das erste Solo-Album seiner 17-jährigen Karriere veröffentlicht. Am 9. April, 20 Uhr, gastiert der Musiker in der Saarlandhalle. SZ-Mitarbeiter Marko Völke sprach mit Tawil. (Veröffentlicht am 05.03.2014)

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Adel Tawil hat auf seinem ersten Solo-Album sehr persönliche Songs veröffentlicht. Foto: Ingo Wagner/dpaFoto: Ingo Wagner/dpa
. Wollten Sie Ihr erstes Solo-Album nicht früher veröffentlichen?Tawil: Das war ja schon seit zehn Jahren immer geplant, aber ich wollte mir einfach die Zeit nehmen, die es braucht, und habe mich auch nicht hetzen lassen. Klar, die Plattenfirmen wollen immer relativ schnell ein Album haben. Aber ich brauchte einfach die Zeit, um mir selbst klar zu werden, was ich machen will und dann die Songs zu schreiben. Zudem habe ich hauptsächlich alles selber produziert und federführend gemacht, was mir bei meinem ersten eigenen Album auch wichtig war. Deswegen hat das einfach ein bisschen gedauert. Aber so kann ich über nichts mehr meckern, bin zufrieden und glücklich mit dem Ergebnis.Stimmt es, dass Sie bei Ihrem Solo-Album eine gewisse Unsicherheit verspürt haben?

Tawil: Ja, das war wirklich eine Hürde für mich, ein eigenes Album zu machen. Ich bin froh, dass ich es hinter mir habe. Man weiß es halt nie. Natürlich haben die Leute automatisch den Vergleich zu ‚Ich + Ich‘. Das Album ist für mich quasi eine Weiterführung. Ich war am Ende auch schon alleine und habe viel selber gemacht. Von daher war es natürlich doppelt so schön, dass dann jetzt so persönliche Songs so gut ankommen – damit habe ich auch nicht gerechnet.

In Ihrer Karriere hat es viele Höhen und Tiefen gegeben. Welche Lehre haben Sie aus den dunklen Kapiteln gezogen?

Tawil: Als ich keine Wohnung mehr hatte und im Studio in einem Industrieviertel gelebt habe, wo keine Menschenseele auf der Straße rumläuft, dachte ich mir irgendwann: Ich war überall auf den großen Bühnen und den Titeln der Zeitschriften und jetzt bin ich hier in der Gesangskabine in einem kleinen Studio in Berlin-Reinickendorf. Das kann es doch nicht gewesen sein. Das war so ein Augenblick, wo ich selbst beschlossen habe, dass ich das nicht auf mir sitzen lassen werde und weiter kämpfe, bis ich wieder da bin, wo ich aufgehört habe. Das Leben gibt dir schon mal eine Prüfung. Ich habe so lange weiter gemacht, bis es Schritt für Schritt besser wurde. Und mit Annette war das dann natürlich ein Traum. Ansonsten würde ich jetzt wahrscheinlich als Kellner bei meinem Vater im Restaurant arbeiten.

Annette Humpe hat auch auf Ihrem Album ein bisschen mitgearbeitet. Als „Ich + Ich“ eine kreative Pause angekündigt haben und Sie solo weitermachen wollten, dachten dagegen viele, das sei das Ende Ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit …

Tawil: Ja, das Problem ist natürlich, dass viele das dachten. Aber wir haben uns weder gestritten, noch sonst sind wir irgendwie auseinander gegangen. Wir haben einfach nur gesagt: ‚Wir wollen jetzt nicht direkt ein weiteres Album hinterher machen.‘ Einfach, weil schon viel gesagt und viele Themen angesprochen worden sind. Da muss man auch selber ein bisschen Abstand gewinnen, sich etwas zurücknehmen, das Projekt betrachten und sagen: So und so machen wir weiter. Deswegen war es völlig normal, dass wir erst mal eine Pause einlegen. Ab und zu sitzen wir jetzt zusammen und überlegen, wenn wir was machen, wie es sein könnte. Für Annette war wichtig, dass sie bei dem Album gar nicht viel zu machen brauchte. Sie konnte ohne die Verantwortung zu tragen einfach ihren Senf dazu beigetragen, hatte auch Spaß. Sie konnte einfach mal so einen Song schreiben, ohne den Druck von „Ich + Ich“ zu haben. Deswegen war das Album eine richtig tolle Zusammenarbeit.

http://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-berichte/saarland/Ohne-Druck-von-Ich-Ich;art2814,5165783#